Hier findest du Erfahrungsberichte von Jugendlichen über ihr FSJ Kultur.
Moritz Kunkel, Freiwilliger 08/09 am schafhof - europäisches künstlerhaus oberbayern in Freising
Der letzte Ton des Kontrabasses verklingt. Das Publikum wartet geduldig auf das Signal des Interpreten, der Wechsel von der gebeugten, konzentrierten in die aufrechte, entspannte Körperhaltung. Doch er kostet den finalen, mächtigen Klang seines Instruments voll aus, welches eindrucksvoll im hohen Tonnengewölbe des Saales widerhallt. Wie in Trance steht er auf der erleuchteten Bühne, als müsse er den Ton mit Hilfe seiner Gedanken weiter und immer weiter in die Lüfte, von Wand zu Wand, von dort in jedermanns Ohr, in jedermanns Seele befördern. Dann endlich schaut er auf, sucht Kontakt mit den Menschen, die ihn beobachten und gibt damit zu verstehen, dass nun ein Applaus angebracht wäre, der auch nicht lange auf sich warten lässt. Ich stehe etwas abseits und freue mich.
Mit Musik aufs Abi vorbereiten
Die Idee für ein Projekt im Freisinger Schafhof war schnell gefunden, denn es lag nahe, dass es etwas Musikalisches sein musste, da ich selbst die meiste Zeit meines Lebens mit der Musik verbringe. Dahingehend war es von Vorteil, dass all meine Beziehungen in Freising von dem dortigen musischen Gymnasium, dem Camerloher Gymnasium, ausgehen, an dem ich selbst mein Abitur gemacht, und den Leistungskurs Musik belegt habe. Ein Kooperationspartner war also ebenfalls schnell gefunden.
Nach einigem „brainstormen“ kam mir auch schnell der Einfall, wie ich die Attribute eines musischen Gymnasiums mit den Interessen des Veranstaltungshauses Schafhof in Verbindung setzen konnte: Ich habe mir vorgenommen, ein Konzert im Schafhof zu organisieren, bei dem die diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten des Camerloher Gymnasiums, die den Musikleistungskurs belegen, ihr Prüfungsstücke vorspielen sollen. Somit soll das Konzert eine Art Generalprobe vor Publikum darstellen, möglichst kurz vor den praktischen Prüfungen in Musik. Das Vortragen vor Publikum ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Vorbereitung auf das Abitur in Musik, da es die Prüfungs- und damit Stresssituation nachstellen soll, auf die man – wenn es dann ernst wird – eingestellt sein sollte.
Vom Konzept zum Konzert
Nach Erstellung von Konzept, Projektplan, Finanzierungsplan und sonstigen Orientierungshilfen folgte die erste Kontaktaufnahme mit den Leitern der zwei Musikleistungskurse, die insgesamt 26 Schüler/innen fassten. Sebastian Brand und Gunther Brennich waren von der Idee auf Anhieb hellauf begeistert, sodass der Grundstein für die Organisation des Konzerts gelegt war. Auch der Kurs schien äußerst begeistert und, ungeachtet des unmittelbaren Abiturstresses, auch bereit zu sein bei Auf- und Abbau behilflich zu sein. Nicht nur das: Sie stellten auch ein kleines Buffet für das Konzert zur Verfügung, bei dem sich das Publikum kostenlos bedienen konnte.
21 der 26 Schüler/innen waren bereit teilzunehmen und für die Begleitungen, die an den Terminen keine Zeit finden sollten, sollten zwei eingefleischte Blattspieler des Camerloher Gymnasiums einspringen. Bei 21 Musikern, die jeweils ein Programm von im Schnitt 10 bis 15 Minuten vorzutragen haben, musste man definitiv zwei Konzertabende terminieren. Diese wurden auf den 26. und 27. April um jeweils 19 Uhr im ersten Obergeschoss des Schafhofs festgelegt. Die Prüfungen fanden ab dem 30. April statt, wodurch die Bedingung der Nähe der Konzerte zu den Prüfungen erfüllt war.
Guten Gewissens konnte ich nun den Flügel bestellen und mich um Hilfe bei Auf- und Abbau, um die Besetzung des Getränkestands, sowie um Scheinwerferlicht kümmern. In der Woche vor den Konzerten musste alles sehr schnell gehen: selbst „designte“ Flyer wurden verteilt, Programme geschrieben und gedruckt, die Scheinwerfer abgeholt, Bühne, Bestuhlung, Getränkestand, Buffettische und Scheinwerfer aufgebaut und der Flügel angeliefert. Ich war in dieser Woche sieben Tage im Schafhof, teilweise bis spät abends.
Am Sonntag, den 26. April war es dann endlich so weit. Nachmittags trudelten die ersten Musiker zur Bühnenprobe ein. Die letzten Kleinigkeiten wurden zurecht gelegt und ich bereitete eine kleine Begrüßungsrede vor. Die ersten Gäste kamen bereits um 18 Uhr. Erstaunlich war die immer größer werdende Zahl der Zuschauer, rechnete ich doch mit nicht mehr als 40 Personen. Bis zum Anfang des Konzerts zählten ich jedoch etwa 90 besetzte Plätze. Um etwa halb zehn, nachdem das letzte Stück verklungen war, begab sich das Publikum langsam in Richtung Ausgang, nicht ohne teils recht großzügige Spenden zu hinterlassen.
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„Erstaunlich, wie gut das alles geklappt hat“
Da ich zuvor noch nie ein kulturelles Projekt ganz eigenverantwortlich organisiert und durchgeführt habe, ist es für mich in der Retrospektive erstaunlich, wie gut das alles geklappt hat. Alle haben an einem Strang gezogen und alle waren am Schluss zufrieden. Ich habe gelernt, das selbst bei solchen Veranstaltungen, die vom organisatorischen Aufwand her zunächst überschaubar wirken, viel Vordenken, Planen und eine frühe Auseinandersetzung nötig ist, um die ganze Sache ins Rollen zu bringen. Da ich mich grundsätzlich nicht für einen besonders organisierten Menschen halte, hat mich diese Erfahrung in meiner Selbsteinschätzung positiv beeinflusst. Und es macht Spaß zu sehen (oder in meinem Fall zu hören), wie das, was man umgesetzt hat, anderen Leute nutzt.