Hier findest du Erfahrungsberichte von Jugendlichen über ihr FSJ Kultur.
Tobias Bauer, Freiwilliger 06/07 bei den Münchner Symphonikern
Schon als kleines Kind hatte ich mich in die Musik verliebt. Sie blieb über die langen Jahre bis zum Abitur mein größtes Hobby und so stand für mich fest, dass es nur eine Möglichkeit gab, meinen Lebensunterhalt zu verdienen: Ich musste einfach Musiker werden. Zwischen mir und dem Musikstudium sowie der glanzvollen Bühnenkarriere stand allerdings noch der Zivildienst. Glücklicherweise hörte ich von der Möglichkeit, anstatt des Zivildienstes ein FSJ Kultur zu absolvieren. Ich sah das damals hauptsächlich als Chance, in die Branche reinzuschnuppern und vielleicht erste Kontakte zu knüpfen. Heute weiß ich, dass ich in dem Jahr viel wichtigere Erfahrungen gemacht habe.
Vom kostenlosen Fitnesstraining …
Mein FSJ habe ich bei den Münchner Symphonikern verbracht. Die Symphoniker sind eines der vier großen Symphonieorchester in der bayerischen Landeshauptstadt. Mit circa 60 Musikern und sechs außermusikalischen Beschäftigten ist „mein“ Orchester ein fast familiäres Ensemble.
Als FSJler bei den Symphonikern ist man hauptsächlich dem Noten- und Orchesterwart zur Unterstützung zugeteilt und erfüllt daher auch meistens die Aufgaben eines Noten- und Orchesterwarts: Auf- und Abbau des Orchesters bei Proben und Konzerten, Mithilfe bei Instrumententransporten sowie Kopieren und Binden von neuem Notenmaterial.
Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung, wie viel Arbeit damit verbunden ist, dass das Orchester am Konzerttag pünktlich auf der Bühne Platz nehmen kann und alle Noten und Instrumente vorhanden sind. Da Konzerte natürlich genau dann stattfinden, wenn alle anderen frei haben, ist man hauptsächlich abends und oft auch am Wochenende im Einsatz, was mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat. Nach und nach durfte ich meine Aufgaben immer eigenständiger erledigen und war z.B. beim Gastspiel in Madrid als einziger Orchesterwart dabei. Nebenbei bemerkt waren die Instrumententransporte und der Auf- und Abbau manchmal so anstrengend, dass die Arbeit mein kostenloses Fitnesstraining wurde.
… bis zur zeitintensiven Website-Erstellung
Da die Münchner Symphoniker ein Orchester ohne riesigen Verwaltungsapparat sind und man schnell jeden kennt, habe ich einen umfassenden Überblick über die Organisation eines Kulturbetriebs erhalten. Mit der Zeit wurde ich immer öfter zur Unterstützung des künstlerischen Betriebsbüros herangezogen. Zu meinen Aufgaben gehörten hier unter anderem die regelmäßige Wartung und Aktualisierung der Website und die Mitarbeit an Publikationen der Münchner Symphoniker. Auch bei der Organisation der kommenden Spielzeit konnte ich mitwirken, indem ich zum Beispiel recherchierte, welche Besetzungsgrößen die geplanten Kompositionen vorschreiben und wo die Noten erhältlich sind.
Mein selbstständiges Projekt war die völlige Neuerstellung der Website. Dieses Projekt hat sich als so aufwändig herausgestellt, dass ich derzeit immer noch an der Fertigstellung der Internetpräsenz arbeite, obwohl mein FSJ eigentlich abgeschlossen ist.
„Das FSJ hat mich tatsächlich verändert“
Für mich persönlich war das FSJ eine wertvolle Erfahrung. Als ich bei meiner Bewerbung die Erfahrungsgeschichten meiner Vorgänger las, habe ich nicht wirklich an die tief greifenden Weiterentwicklungen geglaubt, von denen da berichtet wurde. Aber rückblickend muss ich zugeben: Das FSJ hat mich tatsächlich verändert!
Ich habe gelernt, verlässlich und selbst organisiert zu arbeiten, pünktlich zu erscheinen und auf Menschen zuzugehen, was im täglichen Umgang mit 60 Musikern, Solisten und Dirigenten unerlässlich ist; alles Fähigkeiten, die vorher nicht unbedingt zu meinen größten Stärken zählten. Dabei war mir eine große Hilfe, dass ich wunderbare Kollegen hatte, die mir als totalem Arbeitsanfänger die ersten Schritte ins Berufsleben so einfach wie möglich machten.
Die wichtigsten Erkenntnisse meines FSJ
1. Es gibt Leute, die genauso verrückt sind wie ich. Kennen gelernt habe ich diese Personen auf den FSJ-Kultur-Seminaren und werde sie hoffentlich noch oft sehen.
2. Arbeiten kann Spaß machen! Tatsächlich!
3. Wenn ich groß bin, will ich mal was mit Kultur machen!
Um Punkt 3 noch ein wenig näher auszuführen: Wegen meiner Erfahrungen im FSJ habe ich das Ziel Berufsmusiker aufgegeben, denn ich habe festgestellt, dass mir die Arbeit im Hintergrund eines Musikbetriebes genauso viel Spaß machen kann wie das Musik machen selbst. Zum anderen habe ich das befriedigende Gefühl kennen gelernt, selbst seinen Teil dazu beitragen zu können, dass ein Konzert reibungslos über die Bühne und das Publikum zufrieden und begeistert nach Hause geht.
Diese Art von Erfolg möchte ich in Zukunft noch oft erleben und plane daher meine berufliche Zukunft im Kulturmanagement. Um dieses Ziel zu erreichen werde ich ab kommendem Semester Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und BWL studieren.